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Rad am Ring 2015

Endlich ist es soweit.

Rad am Ring 2015 steht an, der erste Saisonhöhepunkt mit viel, akribischer Vorbereitung und einem klaren Ziel vor Augen: 24 Runden in 24h in der grünen Hölle. Damit war in den letzten Jahren auch ein Platz auf dem Podest in meiner Altersklasse verbunden. Und dann kam alles anders…

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Die Saison 2015 steht im Zeichen der Langstrecke. Für den am 16.08.2015 startenden Brevet Paris-Brest-Paris muss man im Frühjahr die Qualifikation durch erfolgreiche Teilnahme über die 200, 300, 400 und 600km Distanz absolvieren. Der 200er Brevet stand am Niederrhein bereits im Februar an, womit die Saison mit langen Einheiten früh eröffnet wurde. Das Trainingslager auf Mallorca verlief mit mehr als 1.500km Grundlage davor und weiteren 1.300km in 10 Tagen mit dem Team entsprechend gut und half die anschließenden Distanzen bis 600km problemlos mit den schnellsten Brevelern zu bestehen. Und weil’s so schön ist habe ich die 400km am Niederrhein, in Spich und in Belgien gleich 3x absolviert.

Lange Distanzen kein Problem, aber… Bei den ganzen Brevets kamen keine Höhenmeter zusammen, fährt man fast nur im Grundlagenbereich und fehlt damit auch Tempohärte.

Das zeigte sich dann schon am Hockenheimring, bei dem nach 7h von 10h die Kraft weg war und Krämpfe verhinderten das Tempo mit den Teams, mit Christian, mitgehen zu können.

Der neue, schöne, schnelle Giant Propel half da auch nicht. Im Gegenteil: Nach dem Einmessen bei Komsport war klar, dass die Sitzposition nicht optimal war und den Aerolenker das erste Mal zum Rennen zu montieren war auch nicht die beste Idee. Zudem zeigt der auf Aerodynamik ausgelegte Propel erst ab 35 … 40km/h seine vollen Stärken. Das wiederum kam mir bei Rad am Ring in den Abfahrten sehr entgegen. Der 2. Platz mit dem Team beim 24h Radrennen in Zandvoort auf der GP-Strecke machte wieder Hoffnung.

Die letzten 8 Wochen vor Rad am Ring waren dann mit Pleiten Pech und Pannen gespickt. Der sehr schöne Familienurlaub führte wieder ins Flache, konnte ich über 500km ohne Höhenmeter trainieren, aber auch einen Sturz und einige Plattfüße kassieren. Weiterer Trainingsausfall wegen Magen-Darm und der Job ließ keine Zeit für Einheiten in der Woche. Die Generalprobe beim 24h Rennen in Kelheim im 5er Team verlief gut - das war wichtig für den Kopf.

Voller Vorfreude ging es dann am Freitag ungewohnt früh zum Nürburgring. Der Teamchef hat professionelles Fotoshooting für das Team angeordnet. Das war schon etwas zeitaufwendig, aber hat Spaß gemacht und hoffe die Ergebnisse gefallen allen. Zwischendurch habe ich meinen Außenposten startklar gemacht und noch zuversichtlich trotz eher schlechter Wetterprognosen meinen Pavillon aufgebaut. Die Nacht habe ich doch lieber in der Team-Box verbracht und – ihr wisst es schon – am Samstag folgte Sturm & Gewitter mit der Konsequenz das ich meine Parzelle aufgegeben habe und in der Team-Box 16-WG einzog. Mit dem Regen sanken die Motivation und die Hoffnung auf die 24 Runden. Nach der ersten Verschiebung war das Thema durch und habe mich lieber zum Schlafen gelegt als Frust zu schieben. Als es dann um 20:00 Uhr zum 17h Rennen an den Start ging war klar: Es geht nur noch um ein gutes Training. Mit Kamera vom Veranstalter für die Startrunde ausgerüstet wollte ich natürlich zumindest für die Runde schöne Bilder liefern. Ich hatte mit schlechten, kalten Wetter gerechnet, wollte mich nicht nach 2 Stunden wieder umziehen und habe mich entsprechend warm angezogen. Nach den ersten Metern hoch zur Hohen acht war klar: Langes Unterhemd, langes Trikot, lange Winterjacke und die lange Thermohose sowie Mütze und Winterhandschuhe waren für 8°C ein wenig zu viel. Oben an der hohen Acht angekommen hatte ich ca. 200 Fahrer vorbei ziehen lassen müssen und min. 3l Flüssigkeit in die Klamotten verlagert. Boxenstopp nach Runde 2 war unumgänglich, Kamera abgeben geplant, aber einmal trocken legen nicht. Danach war das letzte Quäntchen Druck für ein gutes Ergebnis weg und der Kopf sowie die Beine endlich frei. Ab da waren Rundenzeiten unter 1h problemlos, endlich ein Rhythmus gefunden und Runde um Runde einfach gut. Besonders die Abfahrten: Der Kracher mit dem Rad! So locker bin ich selten runter gekommen. Überholt hat mich mal grade keiner, viele konnten den Windschatten nicht halten. Schön daran ist: An vielen die sich mühsam bergauf an mir vorbei kämpften konnte ich dann mit Grinsen im Gesicht, in Abfahrtsposition, einfach wieder vorbei rollen.

Das Wetter war gnädig, kein weiterer Regen und moderater Wind. Essen und Trinken gut nachgeführt (Sponsor Dextro bot die passenden Produkte), keine Probleme mit den Beinen, Rücken und Gesäß: Die 10.000km Vorbereitung und Optimierung Sitzposition hat doch was gebracht.

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Faustformel für alle die was in der Art vorhaben: Man sollte ca. 10x Langstreckendistanz als Trainingskilometer in den Beinen haben und min. 1x über 300km und über 12h (am besten die Nacht durch) gefahren sein. Marathons helfen in der Vorbereitung, aber die 300er Marke hat noch mal was Besonderes.

Ab und zu kamen die Team-Kollegen vorbei und konnte ich Caro anfeuern um ihren Podest Platz zu verteidigen. Auch ein paar Kollegen von den Brevets waren mit am Start und hat man noch ein kurzes „Hallo“ raus gebracht. Am Ende fährt jeder Solist auf so eine Distanz halt doch am besten sein Tempo und hält seinen Rhythmus.

Vollkommen unerwartet bekam ich dann gegen 10:00 Uhr die Info das ich auf Platz 10 Gesamtwertung liege. Das motivierte für 3 schnelle Runden und war Grundlage für das erfreuliche Ende mit 18 Runden in 17,5h (= 470km mit 10.000Hm) und Platz 9 Gesamtwertung. Auf die 24h hätten die 24 Runden diesmal sicher geklappt. Der Sieger hatte auch „nur“ eine Runde mehr und Platz 3 bis 10 alle mit 18 Runden auf fast gleichem Niveau. In der Altersklasse kam dann leider nur Platz 4 raus – ist dann doch ärgerlich so knapp am Podest vorbei zu fahren. Naja – dann halt nächstes Jahr auf ein Neues.

Jetzt volle Konzentration auf Paris-Brest-Paris. Ziel ist die ca. 1.200km mit Marc und Horst in 3 Tagen, unter 70h, zu finishen. Hoffentlich werden wir von solchen Wetterkapriolen wie bei RaR verschont.

Vielen Dank noch an das Team für ein Dach über dem Kopf und die Unterstützung. Natürlich auch noch danke an die Sponsoren und an Markus für die Fotos.