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BERICHT: JedermannGiro Bochum 2008

Geschrieben von: Holger Kremers.

Norbert & Christian in der Spitzengruppe an der Surkenstr - Bild Angela BaumannDas Team RADON, die Jedermänner des RV Siegburg starten am Sonntag, den 3.08.2008 beim Jedermann-Rennen des SparkassenGiro 2008 in Bochum.

Vorab, der Giro in Bochum gehört mit zu den schönsten Jedermann-Events in Deutschland und bietet über 2 Tage hinweg ein wahnsinnig interessantes Programm. Vom "Fette Reifen"-Rennen über C-Amateure, Frauen-Elite und Jedermann bis hin zu den Profis mit ProTour Teams wie MILRAm oder Columbia wird hier einiges geboten, auch exotisches wie das grösste Derny-Rennen der Welt. Mehr Infos darüber unter www.sparkassengiro.de

Aber zum Jedermann-Rennen: Das Starterfeld war in diesem Jahr mit über 2.000 Startern deutlich grösser als im letzten Jahr und traditionell wieder stark besetzt.

Das Ruhrgebiet scheint im Einzugsbereich der starken Fahrer zu liegen und als GermanCyclingCup-Rennen genießt der Giro natürlich erhöhte Aufmerksamkeit.

Oliver an der Surkenstr - Bild Angela BaumannAuch das Team RADON war mit grosser Besetzung am Start:

  • Andreas Ernst

  • Christian Koch

  • Daniel Wiebel

  • Eva Triebel

  • Holger Kremers

  • Marc Müller

  • Norbert Seewald

  • Oliver Lammerich

Norbert & Christian in der Spitzengruppe an der Surkenstr - Bild Angela BaumannLeider mussten wir schon am Start einen Ausfall beklagen: Marc hatte scheinbar am Vortag etwas gegessen, was Ihm nicht bekommen ist. Auf jeden Fall war Ihm sehr übel und er verließ enttäuscht die Startaufstellung. Schade.

Nun hieß es den Verlust auszugleichen und noch mehr zu geben. Gemeinsam starteten wir aus dem ersten, dem grünen Startblock. Insgesamt gab es drei Blöcke, aus denen die Starter auf die Strecke gingen.

Der Start verließ "verhältnismäßig" ruhig, aber bereits nach dem Verlassen des Start-Ziel-Bereiches wurde das Tempo angezogen. Schon nach wenigen Kilometern war das vordere Hauptfeld in drei Gruppen zerrissen. Im Laufe der 2 Runde konnten sich Norbert, Andreas, Oliver und Christian in der vorderen Gruppe festigen, während Daniel aufgrund eines Sturzes im Feld in der zweiten Gruppe fest hing und trotz intensiver Bemühungen nicht zur Spitzengruppe aufschließen konnte.Weiter hinten waren Eva und Holger jeder auf sich selbst gestellt.

Das Rennen verließ erwartungsgemäß hektisch und gefährlich, zum Glück blieb es trocken. Aber der anspruchsvolle Kurs forderte seine Opfer, dabei waren absteigen und schieben noch die angenehmste Variante. Es gab  viele Stürze, die leider zu einen großen Teil auch sehr heftige Folgen hatten.

Daniel an der Surkenstr - Bild Angela BaumannDas Team RADON bleib glücklicherweise von solchen Problemen verschont und konnte das Rennen recht erfolgreich beenden:

Norbert fuhr im Sprint der ersten Gruppe auf den 14.Platz, wobei seine persönliche Zeit besser war als die des Erstplatzierten Nico Wernicke, aber die ersten Plätze werden richtigerweise nach Zieleinlauf gewertet.

Eva kam als hervorragende 10. der Frauen-Wertung mit einer Zeit von 1:38:19 für die 58km ins Ziel

 

Insgesamt kamen alle ins Ziel und erzielen folgende Ergebnisse:

 

Rang Name Vorname Jahrgang Geschlecht Zeit
14 Seewald Norbert 1979 m 01:25:11,98
37 Koch Christan 1974 m 01:25:17,15
63 Ernst Andreas 1968 m 01:28:35,17
72 Lammerich Oliver 1968 m 01:28:42,64
115 Wiebel Daniel 1982 m 01:30:27,54
235 Kremers Holger 1969 m 01:33:14,48
10 Triebel Eva 1978 w 01:38:19,93

Bis auf wenige Ausnahmen waren alle "ganz zufrieden" mit Ihrem Rennen und konnten danach entspannt bei Starbucks die Drinks genießen... bis auf Marc, der bekam TEE :-(

Höhenprofil JedermannGiro Bochum 2008 - Quelle: sparkassengiro.deStreckenverlauf JedermannGiro Bochum 2008 - Quelle: Sparkassengiro.de

 

Mein persönlicher Giro

 

Da ich in den vergangen Wochen nur das flache Rennen in Holland gefahren bin und dort eigentlich das hohe Tempo gut mitgehen konnte, war ich guter Dinge, aber auch skeptisch was die Steigungen anging. Konnte ich dem Hauptfeld vorne folgen, wenn es bergauf ging? Und vor allem: Wie lange?

Meine Startnummer beim Sparkassengiro Bochum 2008Am Vortage hatte ich mit Marc, dem Stuttgarter aus dem Team Lexxi und Mario (irgendwo aus Thüringen :-) die Strecke noch einmal gemütlich abgefahren. Die Steigungen waren mir eigentlich bekannt, aber machten mich dennoch wieder stutzig. Egal, Mut gemacht, Startunterlagen geholt, noch was getrunken und Pasta gegessen.

Am nächsten Morgen sind wir wieder aus Troisdorf angereist und haben uns noch kurz warmgefahren. Eigentlich sinnlos, wenn man dann wieder 20 Minuten im Startblock steht. Aber für den Kopf... :-) Vor dem Start hatte ich mich dazu entschieden, aufgrund der Kürze des Rennens und den Anstiegen nur eine Flasche mitzunehmen, was sich als fataler Fehler erweisen sollte.

Im Startblock wieder viele bekannte Gesichter, freundliches Miteinander, fast wie bei den Profis. Nach dem Startschuss ging es dann recht zügig aus dem Startbereich raus und mit Vollgas auf die Strecke. Bereits nach zwei Kilometer merkte ich einen bekannten Druck in den Oberschenkeln: Zu schnell kalt losgefahren... Ohne Worte. Aber ich hatte bis dahin den Plan verfolgt, mit der Spitzengruppe in die Anstiege zu gehen, um nicht auf der Fahrt zurück den Anschluss zu verlieren.Voraussetzung, um unter die ersten 100 zu kommen.

Die Realität sah erschreckend anders aus: Bereits vor dem zweiten Anstieg war ich in die zweite Gruppe zurückgefallen und ging gemeinsam mit Daniel in diesen Anstieg Stiepelerstr / Im Haarmannsbusch. Puls bis 172... Nachdem Daniel  mich fragend anschaute und meinte ich hätte noch drei Runden zu fahren, waren sämtlich Ambitionen gestorben! Durchkommen hieß jetzt die Devise, möglichs um 1:30 Fahrtzeit.

Und dann passierte es: Bei der Einfahrt auf die Königsallee verlor ich in einem Schlagloch meine Trinkflasche, die ich kurz zuvor benutzt hatte. Nicht richtig reingesteckt *+#mist##*+*+dreck.*+#'+#penner#+#ü*# (nicht jugendfrei). Wie im Wahn weiter gefahren, nach klar, wer bremst schon...

Holger an der Surkenstr - Bild Angela Baumann

Bei der Einfahrt auf die Zielgrade wurde mir allerdings klar, dass ich das nicht lange ohne Wasser durchhalten werde! Tausend Gedanken..was tun? Marc anrufen (Handy hatte ich dabei) und um Wasser bitten? Aber auf diesem Kurs eben mal telefonieren im Feld? Niemals! Anhalten und irgendwo die Zuschauer nach Wasser fragen? Aber wenn? Wo nicht zu viel Zeit verlieren??

Na gut, einfach weiter fahren, egal wie die Kehle brennt!!! Das Bild meines Rennverlaufs war wie immer frustrierend: Auf der Ebene Geschwindigkeiten von 55km/h, viel Führungsarbeit, um wieder an die zweite Gruppe Anschluß zu finden, am Berg totaler Einbruch.

Man, ich muss dringend abnehmen :-( !!! In der dritten Runde habe ich dann Jürgen von Team Lexxi gefragt, ob er noch was Wasser hat, er hatte 2 Flaschen dabei. Und was soll ich sagen, der Mann rette mir das Leben und gab mir eine seiner beiden Flaschen. Ein ganz herzliches Dankeschön nochmal.

Mittlerweile war ich aber so ausgetrocknet, dass ich nur noch trank, um das trockene Gefühl in der Kehle los zu werden. Der Durst war schon lange weg. Und als ich dann zum Trinken ansetzte, passierte es fast: Nur eine Hand am Lenker, fuhr mit ein Fahrer, der am Feld vorbeikam (Jürgen und ich führten die Gruppe mal wieder an) ins Vorderrad. Ich versuchte den Druck mit einer Hand auszugleichen, in dem Moment zog er sein Hinterrad wieder weg und ich verzog das Rad. Zu Glück war links neben uns niemand, Jürgen konnte gerade noch ausweichen und das Ganze ging glimplich aus. Der "Fahrer" vor uns war aber unglaublich aggresiv, brüllte und schimpfte.

Nach kurze lauter Erwiderung versuchte ich aber wieder Ruhe rein zu bringen und er erzählte mir dann was von... schon 2 mal Kette abgesprungen, 14er der Gesamtwertung und heute nur Scheiße. Habe nur bei mir gedacht: Wegen solchen Idioten passieren die Unfälle. Unfähig Ihr Material zu warten und dann aggresiv wie der Teufel alles kaputtfahren.Wenn so einer Lizenzrennen fahren würde, der wäre schon lange von Feld gesteinigt worden!

Aber egal, ging dann soweit alles gut, mein neuer "Freund" verlor dann beim Antritt in die vierte Runde wieder die Kette. Hochmut kommt eben vor den.. aber ist ja auch egal.

In der dritten Runde gesellte sich dann Marc (Team Lexxi) zu uns, er war bisher das Rennen ruhig von hinten gefahren und hatte noch Reserven. Sollte ich beim nächsten Mal auch machen...

So versuchte dann an den letzten Anstiegen dran zu bleiben, verlor aber am Schlussanstieg auf der Surkenstrasse den Anschluss an die Gruppe. Damit war es dann gelaufen. Konnte trotzt hoher Geschwindigkeit auf der Ebene (54km/h) alleine nicht mehr ranfahren, wurde dann langsamer und von einer Gruppe von hinten geschluckt. Da waren die Jungs so nervös, dass ich dachte, hier kracht es gleich. Es muss mir mal einer erklären, warum ich bei Platzierung über 200, die jetzt schon klar war, noch nervöse Ausbruchversuche aus einer Gruppe machen muss, Zickzack fahren und alle bekloppt machen. So was will mir nicht in den Kopf...

Aber es ging gut und mit einer Zeit von 1:33h war ich zwar über meine Massgabe 1:30h hinausgeschossen, aber ohne Sturz ins Ziel gekommen. So konnte ich mich noch für die anderen und Ihre teilweise guten Platzierungen freuen. Auch alle Freunde und Bekannten war im Ziel dabei, also alles in Ordnung.

Insgesamt ein schöner Renntag, denn wir dann gemeinsam mit Essen, trinken und Profis anschauen ausklingen liefen. Habe nur den Mini-Giro verpasst. Schade, den die Minis sind immer die Besten :-)

Ach ja, und natürlich am Schluss noch das obligatorische Eis für Marc und mich... Soviel Zeit muss sein.

Auf die nächste Herausforderung: Rund um die Nürnberger Altstadt am 14. September

Die Bilder vom Rennen wurden freundlicherweise von Angela Baumann zur Verfügung gestellt. Weitere Bilder vom Giro oder auch anderen Veranstaltungen auf Ihrer Internetseite www.siebenrot.de