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BERICHT: Schmallenberg - Ein Tag voller Überraschungen

Ein persönlicher Bericht zum 30. Radrennen Rund um den Wilzenberg.

Sonntag, 5Uhr20, der Wecker klingelt.

Halb wach erhebe ich mich aus dem Bett und vollrichte meine letzten Vorbereitungen für das heutige Rennen. Während des Frühstücks kommen mir jedoch die ersten Zweifel über mein tun. Fragen wie "Was mache ich hier eigentlich?" schießen mir durch den Kopf. Während nämlich der Rest der Familie noch in den tiefsten Träumen schlummert, bereite ich mich auf ein Rennen vor, an einem Sonntag, in aller Herrgotts Frühe... . Wir Radsportler müssen schon einen an der Waffel habe.

So, jetzt noch schnell einen Blick auf das Regenradar, sieht nicht gut aus, es wird nass werden. Was soll’s. Ab die Post, auf nach Schmallenberg. Gut eindreiviertel Stunden und einen Umweg wegen Baustelle später treffe ich am Start und Ziel ein. Durch Einweiser werde ich direkt zu einer Parkmöglichkeit gelotst. Rad raus, umziehen und Nummer holen. Dabei wurde mir offenbart, das die Strecke leicht geändert werden mußte, da die Ortsdurchfahrt von Oberkirchen wegen einer Baustelle noch nicht passierbar ist. Die Runde würde dadurch zwar kürzer werden und somit auch die Gesamtlänge, allerdings ergibt sich dadurch auch eine andere Anfahrt über den Anstieg. Scherzhafte Witze wie "komme ich da denn auch noch hoch" sollten sich noch rächen. Ein Abfahren der neuen Runde, immerhin rund 13,3km war aus Zeitgründen nicht mehr möglich und ursprünglich auch nicht vorgesehen, da die Originalstrecke im Internet recht gut dokumentiert war.

Nun denn, wird schon gehen. Noch ein bisschen warm fahren und erkunden der Strecke vor dem Zieleinlauf, denn zu allem Überfluß zum einsetzenden Regen war es hier oben auch noch recht kühl. Ok, Zeit zur Startaufstellung. Am Start wurden uns, immerhin rund 90 Fahrer, die letzten Instruktionen und Einweisungen zur Strecke gegeben. "Gibt es noch Fragen!" lautete es abschließend vom Organisator. Eine Stimme aus dem Feld: "Wann hört der Regen auf?". Ich glaube, das wünschten wir uns alle.

9Uhr00... die Startfreigabe erfolgte

und wir setzten uns in Bewegung. Nun fing der Vollwaschgang an: Regen von oben, von unten und von der Seite. Nach 3km gab es glaube ich keine trockene Stelle mehr an mir. So fuhren wir in der Neutralisationsphase recht gemütlich hinter dem Führungsfahrzeug hinterher. Nach einbiegen auf die B236 wurde dann das Rennen offiziell gestartet und schon gingen die ersten Attacken los. Wir wußten auch noch nicht, was uns gleich erwarten wird. Recht kompakt bogen wir dann rechts in den Anstieg ab und preschten unverdrossen hinein. Auf in den Kampf lautete die Divise und kurbelten die ersten Meter des Anstiegs hinauf. Puh, recht steil hier - eine leichte Rechtskurve - ah, es wird flacher, schön - eine leichte Linkskurve - ööh, was ist das!?! Jetzt ging es erst richtig zur Sache.

14%...

Distanzschilder am Straßenrand zeigen einem noch die Dauer der Quälerei. Plötzlich schossen Gedanken durch den Kopf wie "ich steig gleich ab ... nein, das machst Du nicht, ich höre nach der Runde auf ...". Oh mein Gott, noch 100m bis nach oben. Von einem Feld war inzwischen nichts mehr zu sehen. Die jungen Wilden haben sich nach vorne auf und davon gemacht, zumal es auch noch eine Bergprämie zu gewinnen gab. Danach folgen einzelne Fahrer oder Kleingruppen und ich quälte mich hinterher. Hurra, endlich oben, doch wo waren die Anderen!? Ich riskierte einen Blick auf meinen Radcomputer und der sagte mir eine Spitzensteigung von 14%. Andere sprachen nach dem Rennen sogar von bis zu 17%. Über den gesamten Anstieg von ca. 700 bis 800m Länge waren es gute 11%. Ich wußte schon immer, das mir Anstiege mit zweistelligen Steigungswerten nicht liegen. Und den jetzt noch zweimal rauf!!

In der direkt darauf folgenden Abfahrt schlossen wir uns zu dritt zusammen, doch von den Anderen vor uns fehlte jede Spur. Wieder zu Kräften gekommen waren die Gedanken vom Anstieg verflogen und mit neuem Kampfgeist wurde die zweite Runde in Angriff genommen. "Da, da sind sie", nach 4km war vor uns das Feld zu sehen oder das, was davon übrig geblieben ist. Ein breites Nebeneinanderfahren sagte mir, das das Tempo vorne nicht sehr hoch sein konnte und somit faßten ich den Entschluß das Feld schnellstmöglich wieder einzuholen. Kurzes Mutivieren der Anderen und los ging’s. Gut 1,5km später war unser Entschluß in die Tat umgesetzt. Nun im Feld neue Kräfte tanken, das es wirklich nicht sehr eilig hatte. Vermutlich ging es dem einen oder anderen genauso und außerdem war vorne eine Spitzengruppe weg. Es regnete übrigens immer noch.

Anstieg Teil 2... Kette links

Unaufhaltsam näherten wir uns zum zweiten Mal dem Anstieg, doch diesmal wußte ich was auf mich zu kam. Also, Kette ganz links und gucken, das man möglichst gut hoch kommt. Doch das Bild war das gleiche wie beim ersten Mal, ein Feld gab es oben nicht mehr. Und somit hieß es in der Abfahrt wieder "Feld einholen". Wieder mit ein paar Anderen zusammen gelang uns das diesmal schon früher. Doch nach dem dritten Anstieg wird es das nicht mehr geben, da am Fuße der Abfahrt das Ziel war. Somit würde jeder so schnell wie möglich den Anstieg hoch, um dann den Vorsprung in der Abfahrt ins Ziel zu retten. Nun gut, somit konnte ich mich schon mal auf einen Zieleinlauf als ca. 20ster einstellen, was alles andere war als das was ich mir ursprünglich erhofft hatte. Doch ein Positives gab es zu vermelden: es hatte aufgehört zu regnen.

Die letzte Runde, das letzte Mal den Anstieg und wie zuvor flog alles auseinander. Doch beim letzten Mal wollte ich dem Anstieg noch einmal die Zähne zeigen. Angespornt durch die anfeuernden Radsportfans (und das bei diesem Wetter) sprintete ich die letzten Meter bis zur Bergwertung rauf und schloß somit auf zwei andere Fahrer auf. Dies sollte sich noch als entscheidend herausstellen. Zu dritt gingen wir dann in die Abfahrt.

Angriff und Schlusssprint

Es näherte sich das Ziel und ganz wollte ich mich auch nicht geschlagen geben. Eine Attacke mußte her und den Anlaß dazu fand ich in einem ca. 150m vor uns befindlichen Fahrer. Somit begann ich ca. 800m vor dem Ziel den Angriff. Ich konnte schnell den Abstand zu dem vor mir fahrenden verringern, doch merke ich nach ein paar hundert Metern, das ich nicht allein auf der Verfolgung war. Also noch einmal alles geben, das Ziel war schon in Sicht. Zeitgleich kam ich dann mit dem Anlaß meiner Attacke ins Ziel und hatte einen kleinen Vorsprung zu meinem Verfolger retten können.

Geschafft!!!

Einerseits erleichtert es geschafft zu haben war ich jedoch über mein Ergebnis enttäuscht, da ich mein mir persönlich gestecktes Ziel deutlich verfehlt habe. "Irgendetwas als 20ster der Gesamtwertung und bei der Alterklassenwertung vermutlich so um den 5ten Platz" waren meine Gedanken, jedoch fehlte mir bezüglich der Alterklassenwertung jeglicher Überblick, da die Fahrer der einzelnen Klassen nicht an den Nummern zu erkennen waren. Die Glückwünsche von einem der Organisatoren konnte ich so dann auch nicht recht entgegennehmen, doch es sollte noch eine Überraschung auf mich warten. Ich machte mich somit erstmal auf zum Auto um mich der nassen Klamotten zu entledigen und das Rad zu verstauen. Mittlerweile hatte auch die Sonne den Weg zu uns gefunden. Warum hätte das nicht eine Stunde früher sein können.

Sieger Senioren II..."Gib nie zu früh auf"

Ob die Wertung schon aushängt? Wollen wir mal gucken gehen. Nein, ich mußte mich noch gedulden oder soll ich überhaupt solange warten. Na ja, nun bin ich schon mal hier also möchte ich es auch wissen... . „Ah, die Liste“, um die sich sofort eine kleine Menschentraube bildete. Hmh, Gesamtwertung gibt es keine, also mal nach Klasse Senioren II gucken. Äh, wie bitte!?! Ich konnte kaum meinen Augen glauben, das ich meine Altersklasse gewonnen haben soll, aber so stand es da. Wie konnte das sein? Eine genauere Auswertung der Ergebnisse zeigte mir, das durch den Berg eine klare Trennung der Altersklassen durchgeführt wurde. Der größte Teil der Sen. II Fahrer befand sich in einem zweiten Feld, das fast 4 Minuten nach mir ins Ziel gekommen ist. Nur ein anderer Fahrer und ich konnten uns im Feld der Sen. I Fahrer halten. Und dieser zweite Fahrer kam nur 1,5 Sekunden hinter mir ins Ziel und war somit in meiner Schlußattacke mein direkter Verfolger und zu dem ich am Anstieg mit einem Schlußspurt wieder Anschluß gefunden habe. Somit zeigten sich im nachhinein viele Kleinigkeiten, durch die ich am Schluß den Sieg erringen konnte und die sich zusammenfassen lassen unter dem Motto: "Gib nie zu früh auf!".

Bis auf das Wetter... alles optimal

Als Resümee für mich kann ich ziehen, das es ein sehr interessantes Rennen war, wenn man einmal vom Wetter und der Rampe absieht. Doch Zweiteres gehört eigentlich nicht zur original Streckenführung und Ersteres wird nächstes Jahr wohl hoffentlich besser sein. Schlechter ging es eigentlich nicht mehr, es sei denn es schneit!! (War da dieses Jahr nicht schon mal was?) Doch die gesamte Organisation, sowohl um das Rennen herum als auch vom Rennen selber waren vorbildlich. Obwohl es ein Straßenrennen über öffentliche Straßen war konnte ich keine Konflikte mit dem Straßenverkehr feststellen. Sowohl den Rennfahrern wurde durch Absperrung Rechnung getragen, als auch dem öffentlichen Verkehr, der in Fahrrichtung die Strecke befahren konnte. An den Einmündungen waren Straßenposten vorhanden, die entsprechend den Verkehr regelten. Ich kann dem Veranstalter nur einen herzlichen Glückwunsch und Dank für diese Veranstaltung übermitteln, die für mich reibungslos ablief. Somit hoffe ich auf ein Wiedersehen im nächsten Jahr, wenn es dann heißt zum 31. Radrennen Rund um den Wilzenberg.