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TTA 2008 - Norberts Sicht der Dinge

logo_trans_austriaDaniel Wiebel und ich (Norbert Seewald) fuhren die TOUR  Trans-Austria 2008, eines der härtesten Jedermannrennen Europas, bestehend aus 7 Etappen, quer durch Österreich.

Hier das ganze aus meiner Sicht:

13.08.2008 - Anfahrt

Nach langer Autofahrt auf dem Rücksitz von Daniels Alhambra zusammen mit einer Hundemaus bei weniger gutem Wetter in Kirchberg/Tirol angekommen. Hundemaus fand es die letzten 3 Stunden eher langweilig und sie konnte nicht schlafen. Beim Briefing wurden wir auf bevorstehenden Wintereinbruch am Montag/Dienstag hingewiesen worden, aber wir können Glück haben, so die Organisatoren: Vielleicht kriegen wir Euch zumindest noch im Trockenen auf die Strecke. Für morgen schon mehrere Überschuhe, Jacken etc. rausgelegt, Rad fertig gemacht, Startnummer paßt kaum ans Ergomo dran, gleich noch ein Bierchen - und dann kann's losgehen. Der diesmalige Gegenstand meines Vergessens: Schutzbleche. Und ich hätte welche gehabt.

 

14.08.2008 - Etappe 1

ug_transaustria08_1239Von Start bis Ziel in einem durch Regen, Regen, Regen. 15 km neutralisiert, dann freie Fahrt. Drei Pässe, dazwischen flach. Drei Mal haben Daniel und ich uns recht lieb gehabt und waren zueinander hingezogen - aber außer einem Schrecken und 50 Schläge Pulsanstieg (und Schuldgefühle meinerseits) nichts passiert. Die Abfahrten von Paß Nr. 2 und Nr. 3 waren fast vollständig im Nebel. Beim Briefing wurde angekündigt, daß die Tour morgen auf den Großglockner ersatzlos ausfällt wegen Schnee. Schade, denn die Beine sind noch gut. Aber der Regen heut, der war schon irgendwie mies.

 

15.08.2008 - Etappe 2

Heut war Ruhetag, Etappe ausgefallen. Es gab Eis und Riesenschnitzel, und danach kurz aufs Rad ein bißchen rollen. Leider mußte sich der Hund mehrfach übergeben. Ich habe die Vermutung, daß das irgendwie mit der ausgefallenen Etappe zusammenhängt.

 

16.08.2008 - Etappe 3

Heut wars schön! Mit vollem Bauch an den Start, dann noch schön einen Cappuccino und den Leuten zugeschaut, und dann ging es los. Hoch und runter und das ganze immer wieder, bis irgendwann in der Kurve bei Tempo 50 auf schlechter Straße ein LKW kam, sich gleichzeitig der Ergomo (Anm. der Redaktion: Radcomputer mit Leistungsmessung - schön teuer) löste, von den Speichen zunächst in zwei, vom LKW dann in unzählige Teile zerteilt wurde. Mit drei Italienern die letzten 30 Km einen schönen Expreß aufgemacht - Grüße nach Verona! Nach einer schönen Massage fühle ich mich super und freu mich auf morgen. Und am Abend erfahre ich bei einem Bier, daß die Schleifspuren an den Schnallen von Daniels Schuhen vom Aufsetzen in den Serpentinen sind. Was ist eigentlich mit der Schallmauer?

 

17.08.2008 - Etappe 4

vierter_tag_koenigsetappeKönigsetappe - und die war in der Tat nicht ganz ohne. Die Italiener vom letzten Mal hatten Radprobleme, aber mit den Agapedia-Leuten war es schön. Das Mädel (Anm. der Redaktion: Anika Grüber - Gewinnerin des "Coppa del Mondo Cicloamatori 2008" einem Amateur Weltpokal) hat aber anscheinend noch nichts von Schwerkraft gehört, wir hätten ihr davon erzählen sollen. Insgesamt vier Pässe standen auf dem Programm, und alle mit ständigen Rampen, und so waren die ca. 140 Kilometer gut gefüllt. In der letzten Abfahrt wurde mir dann eine Kontaktlinse aus dem Auge geweht, und bei -8 Dioptrien mußte ich dann einäugig weiterfahren. Am Ende haben wir dann doch noch ein Grüppchen kurz vor Ziel eingeholt - und welche Zeit war? Die zum Kaputtfahren! Die virtuelle Trophäe zum Spruch des Tages möchte ich aber einem Einzelstarter überreichen, der uns folgendes erzählte: „Ich war im Kopf schon bereit und wollte am zweiten Paß aufhören. Aber ich kam nicht aus dem Klick raus, und da hab ich gedacht: Scheiße, dann mußt Du weiterfahren."

 

18.08.2008 - Etappe 5

Der Erholungstag von der gestrigen Tour war in der Tat einer. Ein ganz leichter Paß, flach und stetig, gefolgt von einer schnellen Abfahrt, auf der ich merkwürdigerweise arge Probleme hatte. Aber was solls, danach kam etwas, was ich richtig gern mag: Eigentlich fast eine Ebene, aber hügelig und irgendwie ständig leicht hoch. Nachdem ich mit unserer Gruppe arg unzufrieden war kurze Absprache mit dem Team Intersport, in der Herren-Wertung genau einen Platz vor uns. Etwas weniger als 10 Km vor dem Ziel haben wir uns dann auf- und davongemacht und ungewöhnlich früh waren wir im Ziel. So langsam merkt man, daß es zu Ende geht. Schade, denn gerade fang ich an, mich richtig wohl zu fühlen.

 

19.08.2008 - Etappe 6

vorletztertag_Heute wieder eine sehr leichte Etappe, allerdings zuerst 25 Kilometer neutralisiert, davon fast 300 Höhenmeter bergab - habe ich gefroren. Dann endlich über den Sölkpaß auf kleinen Straßen und in die Abfahrt, auf der Daniel die 100 km/h um ein Haar hätte knacken konnte. Eine Kuh lag seelenruhig kauend am Straßenrand, und niemand konnte sie scheinbar dort wegbekommen, deshalb stand davor ein Helfer mit einer Warnflagge. In der Ebene wieder schön Druck gemacht und wie immer macht niemand mit, aber schön war es trotzdem. Morgen letzter Tag...

 

20.08.2008 - Etappe 7

letzter_tag_startEin klasse Finale: Ein leichter Paß mit schneller Abfahrt, auf der allerdings direkt vor mir ein Fahrer in die Leitplanke fuhr und sich mehrmals überschlug. Und dann hat die Gruppe einschließlich der zwei schon genannten Italienern auch kennenlernen dürfen, was ein deutscher Expreß ist - und was der macht. Der letzte letzter_tag_start_2Berg sollte nur gut 300 Höhenmeter haben, war aber ganz ordentlich fies: Geschottert, ständige Rampen und kein Ende in Sicht. Danke an das Begleitfahrzeug vom Intersport-Team: „Noch a paar Schnapperl noch". „A paar" bedeutete aber gefühlt unendliche Schnapperl. Nach einer schnellen Abfahrt die ersten Häuser, ein Kreisverkehr, ein paar Absperrungen - und schon war die Rundfahrt vorbei, so schnell, wie sie angefangen hatte. Nach allgemeinem Händeschütteln saßen wir dann am Wörtersee, an dem ich friedlich einschlummerte, der Bauch voll von Kuchen, Tee und allem, was es so gab.

 

letzter_tag_zielBei der Siegerehrung schöne Trikots bekommen, noch mal alle gesehen - vielleicht bis zum Wiedersehen 2009. Am nächsten Tag sollte dann ich ordentliche Kopfschmerzen haben, aber das konnte ich an diesem schönen Abend noch nicht wissen.