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Bericht: Sieg in der Heimat

Geschrieben von: Holger Kremers.

Die ehemalige Lohmar Challenge heißt jetzt Regio Loop. Samstag ist Zeitfahren, Sonntag Straßenrennen, und wer zusammengerechnet der Schnellste ist, ist der Gesamtsieger. Das Rennen geht direkt vor der Haustür meines Elternhauses vorbei – und da muß man Stärke zeigen, ob man will oder nicht.

Samstag: Zeitfahren 17km

Beim Warmfahren sticht mich zuerst eine Biene ins Bein, und ich muß den Stachel zuerst aus der Hose, dann aus meinem Bein rauspulen. Warmfahren geht, auch wenn mir Gunnar Angst macht. Dann Start, läuft runter ganz gut, und ich muß etwas Druck machen, denn Gunnar startet eine Minute hinter mir. Und wenn man meint, es laufe einfach zu gut, um wahr zu sein, dann ist das meistens genau das: nicht wahr. Und so stelle ich mit am Wendepunkt mit Entsetzen fest: Ich habe es überzogen und kann eigentlich nicht mehr. Zu meiner schlechen Verfassung auf dem Rückweg geht es noch leicht hoch, und wir haben leichten Gegenwind. In Much, wohin mich nur noch mein Wille trägt, bin ich schon recht froh, daß alles vorbei ist. Ergebnis: 5. Platz, Alex von Roeltgen hat etwas mehr als 40 Sekunden, Plätze 2 bis 4 haben zwischen 12 und 20 Sekunden.

Sonntag: Straßenrennen 90km

Um die Gesamtwertung zu gewinnen muß ich also 40 Sekunden auf Alex gutmachen und 12 – 20 auf die anderen.

Als ich am Start stehe, muß ich schon schlucken: Roeltgen hat eine gefühlte Hundertschaft am Start, die genau das sicher verhindern wollen. Strassacker ist mit 2 vertreten, Cyclebasar auch mit vielen ganz schön starken Fahrern, v.a. Ingo Koßmann (Gewinner 2009) und Sören Zieher.

Die erste Runde (verkürzt) fahren wir recht verhalten. Die zweite Runde von drei geht an meinem Elternhaus vorbei, und da stehen die beiden schon und rufen. Ich kurz raus – man will ja was zeigen – und meine Hausabfahrt runter. Ortskenntnis ist schon was feines! Den ersten ernsthaften Berg macht Ingo und Adrian Tempo, nicht zu schnell für mich, aber schon sehr sehr zügig und ganz schön unangenehm. Und dieses Gefühl des Elends sollte mich dann auch nicht mehr verlassen. Es gibt ein paar Attacken, ich versuche mich auch ab und an, aber alles verläuft im Nichts: Irgendwie habe ich nicht die Kraft, das durchzuziehen.

Ab der zweiten Runde wird alles schlimm: Erholen klappt nicht, ständig Berge, wo Adrian und seine Freunde Druck machen... und ich weiß gar nicht, was ich ihm getan habe, ich will doch einfach nur die Gesamtwertung, das kann doch nicht zu viel verlangt sein! Aber anscheinend kann es das doch, und so quäle ich meinen fetten Körper durch die Runde. Schlußrunde, noch 34km, aber die haben es in sich. Von wegen zum Ende locker machen, das Gegenteil ist der Fall: Zum Ende noch mal richtig kräftig. Am längsten Berg attackiert Gunnar Weishaupt (wo kommt der auf einmal her?), Sundermann, Adrian und Ingo gehen mit – das heißt, ich muß auch. Wird aber nichts, im welligen Gelände auf den Höhen hat uns das Feld wieder (Danke!!!!!! Endlich vorbei!).

Ich versuche mich zu erholen, aber es klappt nicht: Ich fühle mich gräßlich und will nach hause. Der letzte Berg fängt relativ flach und wellig an, zieht gegen Ende aber ganz schön zu, und zieht sich dann noch richtig lange hin. Und der bringt dann die Entscheidung: Wieder attackiert Weishaupt, wieder geht Sundermann mit, Adrian und Ingo – und ich höre Gunnar: „Norbert! Mußte mit!“, und ich denke „oh bitte nicht“. Das Gehirn hat wohl die Verbindung zu meinen Beinen verloren, denn die fahren tatsächlich mit. Wie das letztendlich funktioniert, kann ich nicht sagen, denn ich habe mich so schlimm wie seit langem nicht mehr gefühlt. Aber anscheinend war auch der Großteil der anderen etwas angeschlagen, denn mit uns 6 kam keiner mehr mit, und wir waren recht schnell weg.

Obwohl ich den Angriff auf die Gesamtwertung ob meiner körperlich-geistigen Verfassung schon längst verworfen hatte, stelle ich plötzlich fest, daß keiner der im Zeitfahren schnelleren Fahrer in meiner Ausreißergruppe dabei waren – und die Chance muß ich nutzen. Wir kreiseln schön, ich versuche einigermaßen zu verschnaufen nach dem Gewaltakt am Berg, und gebe in Führung ordentlich Druck. 40 Sekunden sind es, und ich pokere nicht: Ich bin so am Ende, daß ich im Schlußspurt sowieso nichts mehr zu melden haben würde, also investiere ich meine Körner in der Führung, um die Gesamtwertung zu retten... und verzichte auf eine Chance bei der Wertung des Straßenrennens.

Die letzten 2 Kilometer wird natürlich taktiert und gebummelt, das kann ich mir aber nicht leisten (40 Sekunden muß ich haben auf das Feld!!!), und so gehe ich in Führung, stelle fest: mir geht’s nach wie vor mies, und fasse mir ein Herz: Attacke 1,5 km vor Ziel in einer jeweils 90-Grad rechtslinks-Kombination, daß die anderen ranfahren und Tempo machen müssen. Das tun sie, und sie zerlegen mich in meine Einzelteile im Schlußsprint bergauf. Adrian = Rakete ?

Und es hat in der Tat gereicht: Auf das Feld haben wir in diesen letzten 10km fast 2 Minuten rausgefahren... die waren wohl genauso am Ende wie ich, denn soo schnell sind wir eigentlich nicht weggefahren, daß das 2 Minuten machen könnte.

Gesamtwertung:

  • Norbert ERSTER!!

  • Alex Nikolopoulos (Roeltgen) Zweiter

  • Michael Pfeil (RV Blitz Spich) 3.

 

Fazit RegioLoop

Das war ein Superding heut, ich bin überglücklich über den Sieg in der Heimat, aber das war eine ganz ganz harte Nuß. Das hat zu keinem Zeitpunkt wirklich Spaß gemacht, es war eine Qual von vorn bis hinten, und es tat weh die ganze Zeit. Und ich glaube, ich bin derart gealtert, daß ich nächstes Jahr Masters 2 starte.

Das Team vom Regio Loop war super. Eine tolle, sympathische Veranstaltung, die man nicht auslassen kann. Danke Euch, wenn nur jede Veranstaltung so wäre wie Eure!