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Rund um Köln 2014 – eine schöne Erfahrung wert!

Den Ostermontag wollten Jan und ich nutzen um zu viel gegessene Ostereier wieder abzustrampeln.sportograf-47039512 Mittel Individuell

Leider ließ der Gedanke an ein Rennen über 126 km mit Zeitlimit und einen Mindestschnitt von 28 km/h mir den Appetit schon in der Woche vorher vergehen.

Ich konnte mein Trainingszustand mit umfangreichen und zum Teil intensiven Kilometer, die ich in den Morgenstunden nach Jans Trainingsplan abgespult habe, nicht richtig einschätzen. Der einzige Bezugspunkt waren unsere Kinder Nico und Finja, die mir trotz allem am Berg davon fahren konnten.

Nach Besichtigung des gefürchteten Bensbergs eine Woche vor Rennbeginn konnte ich etwas aufatmen – im Vergleich zu dem Berg meiner Phantasie wirkte er flach. Ich konnte noch nicht wissen was Regen und Hunderte anderer Fahrer aus ihm machen würden.

Ich war euphorisch da für den Renntag erst am Nachmittag Regen angekündigt wurde.

So stand ich denn pünktlich um 9:00 Uhr in meinem Startblock B ziemlich weit vorne wie Jan es mir empfohlen hatte. Ausgerüstet mit Gels, Riegeln, und Trinkflaschen musterte ich die anderen eingeölten Beine und versuchte abzuschätzen wie schnell es wohl werden wird. Jan startete 2 Minuten vor mir und war schnell mit der Spitzengruppe verschwunden. Bevor ich richtig Luft holen konnte ging es auch schon los. Und zum Luftholen kam ich auch so schnell nicht mehr. Wohlweislich hatte ich die Herzfrequenz aus meinem Display verbannt und konzentrierte mich voll darauf am Hinterrad zu bleiben. Geschwindigkeiten um die 45 km/h ließen mich aufatmen – so schnell würde ich nicht dem erforderlichen Mindestschnitt zum Opfer fallen.

Als wir nach 20 Kilometer das Hauptfeld des Block A eingeholt hatten, merkte ich wie schnell wir eigentlich unterwegs waren. Dann kam der erste Berg und alles zog sich in die Länge. Ich fand mich in einer gut harmonierenden Gruppe wieder (in dem Sinne, dass die Männer so nett waren und die Führungsarbeit machten). Ich musste „nur“ zusehen, dass ich im Windschatten mitkam.

Der Bensberg war bei der ersten Durchfahrt ein wirklich tolles Erlebnis, wenn man von allen Seiten angefeuert wird! Rund um Köln 2014 Tina 8 Groß Individuell

 

 

Auf der zweiten Schleife nach 80km spürte ich die ersten Regentropfen und dachte mir noch – das hatten die in der Wettervorhersage aber anders beschrieben. Zum nächsten Riegel musste ich nichts mehr trinken so viel Wasser spritze mir vom Vordermann ins Gesicht. Beim nächsten Anstieg kam mir der Gedanke, dass man zwar ein Carbonrad fährt und auf jedes unnötiges Gramm verzichtet, um dann einen halben Liter Wasser in den Schuhen spazieren zu fahren.

Zumindest ging es allen so und die Stimmung war trotzdem gut. Nach dem Zusammenschluss mit den Fahrern der kurzen Runde wurde es richtig voll auf der Straße. Vorbei war es mit unserer harmonischen Gruppe. Durch die vielen Fahrer wurden wir auseinander gerissen.

Dann kam der Bensberg ein zweites Mal: nass, glitschig, nahezu unbefahrbar und daher mit einer Horde schiebender Radler bevölkert. Die meisten mit gesenktem Kopf, da es furchtbar peinlich ist, das Rad während des Rennens zu schieben, egal wie unpassierbar die Strecke ist.

Nachdem ich bisher so schnell unterwegs war wollte ich auch bis ins Ziel Gas geben. Doch von meinen Gefährten war nach dem Intermezzo am Bensberg keiner mehr da. Also Augen zu und durch dachte ich mir. Meine Beine haben wohl eher an die Couch gedacht und gestreikt. Mit den letzten Gels und Flüssigkeit versuchte ich die drohenden Krämpfe in Schach zu halten. Mit Erfolg.

Verwundert stellte ich fest, dass so mancher Mann auch keine Scheu hatte sich von mir ziehen zu lassen und keine Führungsarbeit machen wollte.

Rund um Köln 2014 Tina 6 Groß Individuell

 

Gottlob kam irgendwann eine flotte Gruppe vorbei und ich konnte meinen „Freund“ den Windschatten wieder nutzen.

Das Erlebnis unter dem roten Lappen des letzten Kilometers durchzufahren, gibt einem das Gefühl ein Profi zu sein. Mit Zuschauern an beiden Seiten und Applaus durchs Ziel zu fahren, lässt die Schmerzen recht schnell wieder vergessen.

Rund um Köln 2014 Tina 7 Groß Individuell

 

Mein persönliches Überraschungserlebnis war die erreichte Durchschnittsgeschwindigkeit als ich alle Daten meines Tachos durchgesehen habe: 35 km/h in einer Zeit von 3:36 Stunden! Dies bedeutete, dass ich auf der 126 km langen Strecke im Gesamtklassement der Frauen Rang 10 belegte und in meiner Altersklasse sogar 4. wurde. Vielen Dank an meinen tollen Trainer Jan!