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Vorbericht Paris – Brest – Paris

16. August 2015

Große Ereignisse werfen ihre Schatten voraus. Die traditionsreichste Tour in Frankreich steht an: Von Paris nach Brest und zurück – 1.200km, 10.000 Hm mit dem persönlichen Ziel in 3 Tagen durch zu kommen. Anders als üblich gibt es neben einem max. 90h Zeitlimit auch ein 44h min. Limit.

 

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Die meisten Radsportler kennen die Tour de France, was ein klassisches Etappen-Radrennen ist.

Auch bekannt sind die Radtouren-Veranstaltungen, sogenannte RTF von familientauglichen 45km Runden bis zum 200km Radmarathon.

Seit einigen Jahren erfreuen sich die Jedermannveranstaltungen wie Radrennen im Rahmen des German Cycling Cup oder auch die 24h Events wie Rad am Ring großer Beliebtheit.

Aber was sind bitte Brevets und wer sind Randonneure? Brevets (Französisch zur Prüfung) sind Radtouren die man sich selber plant, eine Routenbeschreibung einsteckt und einfach aus Spaß an der Freude und schöner Landschaft fährt und dann anderen weitergibt. Es gibt keine Ausschilderung, keine Verpflegung, nur zum Nachweis das man die Strecke gefahren ist Kontrollpunkte, wie Tankstelle oder Bäckerei, an denen man sich einen Stempel abholt. Man ist als sogenannter Selbstversorger unterwegs und hat alles dabei was man so auf einer langen Tour benötigt - natürlich auch Licht und manche sogar Schlafsack und Zelt.

Organisiert im Audax Randonneure Allemagne (ARA) werden gemeinsame Veranstaltungen ausgetragen an denen man dann mehr oder weniger ambitioniert oder gemütlich in der Gruppe eine Strecke fährt. Ganz klassisch bekommt man nur die Kontrollpunkte und muss sich die Tour selber planen. Üblich bekommt man eine Routenbeschreibung und ganz modern die GPS-Daten, aber immer eine Kontrollkarte. Die Distanzen gehen von 200km über 300 und 400km bis zu 600km.

Es gibt einige wenige 800km und 1000km Veranstaltungen und als Krönung die Super-Brevet mit 1.200km. Im 4-Jahres Rhythmus geht es in Frankreich von Paris nach Brest und zurück. In England von London nach Edinburgh. In Deutschland von Hamburg über Berlin nach Köln zurück nach Hamburg und in Italien die Miglia Italia von Milano in Richtung Rom und zurück mit sogar 1.600km.

So komisch sich das für jemanden anhören mag der nach 100km Radrennen im Sauerstoffzelt aufwacht: Man fährt solche langen Distanzen aus Freude am Radfahren, die Landschaft genießen zu können und oft einer Portion Abenteuerlust. Die anderen Randonneure sind keine Gegner, sondern werden zu einer starken Gruppe.

PBP ist jedoch eine der kommerziellsten Veranstaltungen, mit Ausschilderung und sogar Verpflegung und Übernachtungsmöglichkeit an den 18 Kontrollstellen. Dem Hören nach ist es ein echtes Happening wenn die ca. 6.000 Randonneure in 2 Startfenstern am Sonntag von 16:00 bis 20:00 Uhr und am Montag von 4:45 bis 5:15 Uhr alle 15 Minuten in ca. 300 Mann-Gruppen starten. Es gibt auch Gruppen und Teilnehmer mit Begleitfahrzeugen, aber seit der Rekordhatz von 2011 eine klare Absage an alle die hier ein Rennen fahren wollen.

Nach meiner eigenen Solo-Rucksacktour 2013 nach Venedig kam die Idee dann doch die seltene Gelegenheit zur Teilnahme an PBP 2015 zu planen. In 2014 als Begleiter bei Race Across Amerika kam die Erkenntnis, dass dies vorerst ein Traum bleibt und der Orga-Aufwand viel zu groß ist. Am Ende ist man durch die USA gerast und kann eigentlich nichts von Land & Leuten kennen lernen. Für PBP sollte man im Vorjahr die 200-300-400und 600km Brevet gefahren sein. Einerseits, um zu sehen ob man für solche Distanzen bereit ist, andererseits um möglichst früh zu PBP melden zu können – wegen des Andrangs können die Finisher der längeren Distanz früher anmelden und sich so eher Startplätze sichern. Für PBP muss man sich in dem Jahr durch die erfolgreiche Teilnahme der 200-300-400 und 600km qualifizieren. Das erfolgte bei mir ab Februar sehr erfolgreich und habe die 400km direkt 3x absolviert. Die 24h Veranstaltungen haben weitere Langdistanzen gebracht und gehe nun mit Hornhaut am Hintern und über 10.000km in den Beinen recht zuversichtlich mit Marc und Horst an den Start in Paris.

Die Strategie ist Start Montag 5:15 Uhr, 400km bis Loudac vor Mitternacht um etwas schlafen zu können. Marc konnte eine Übernachtungsmöglichkeit organisieren. Am Dienstag wieder um 5:00 Uhr los, Mittag in Brest – kurz Seeluft schnuppern – und zurück nach Loudac. Möglichst wieder die 400km bis Mitternacht, kurz schlafen und am Mittwoch um 5:00 Uhr los zur letzten Etappe nach Paris. Das wäre mit < 70h kein schlechtes Ergebnis.

Ihr werdet erfahren ob der Plan aufging.

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